Herausforderungen für Minderheiten und der Mut zur eigenen Geschichte
Carmen, die aus dem Volk der Sinti stammt, hat in ihrem Leben Mobbing und Ausgrenzung erlebt. Für viele Angehörige der Minderheiten der Jenischen, Sinti und Roma sind Vorurteile und Ablehnung auch heute noch Teil des Alltags. Viele der ca. 30‘000 in der Schweiz lebenden Jenischen und Sinti (von der Schweiz anerkannte Minderheiten) halten sich deshalb bedeckt.
Carmen hat diese Erfahrungen am eigenen Leib erlebt, doch statt sich von diesen Rückschlägen unterkriegen zu lassen, fasste sie den Mut, ihre Geschichte zu teilen und auf ihre Herkunft stolz zu sein. Sie ist heute mehr denn je überzeugt, dass es von grosser Bedeutung ist, die eigene Vergangenheit nicht zu verdrängen – aber gleichzeitig mutig in die Zukunft zu blicken.
Brücken bauen und Vorurteile überwinden
Carmen betonte, wie wichtig es ist, Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu bauen und Vorurteile in beide Richtungen abzubauen. Hier können und müssen wir als Gesellschaft mehr tun. Besonders in Schulen gibt es noch viel Aufklärungsbedarf, um Verständnis und Respekt für Minderheiten zu fördern. Sie empfiehlt Lehrpersonen, Fachkräften und uns allen das Buch und Lehrmittel „Jenische, Sinti, Roma – Zuwenig bekannte Minderheiten in der Schweiz“ (Münsterverlag, 2023, ISBN: 978-3-907301-54-8). Ein Pionierprojekt in Zusammenarbeit mit der PH Zürich und Angehörigen der Minderheiten. Das Lehrmittel verfolgt einen zeitgemässen, partizipativen Ansatz, welcher eine Prävention gegen Rassismus bietet.
Dankbarkeit und die Kraft der Gemeinschaft
Zum Abschluss äusserte Carmen ihre Dankbarkeit, Teil einer unterstützenden Gemeinschaft zu sein. Ihre Stärke und ihren Mut schöpft sie auch aus ihrem Glauben an die göttliche Kraft.
Ganz zum Schluss, aber nicht weniger eindrücklich, hat Denise Arni, Gemeinderätin und Schulleiterin aus Herzogenbuchsee, von der Errichtung eines Durchgangsplatzes für Fahrende in ihrer Gemeinde erzählt. Sie selber wohnt mit ihrem Mann als Platzwartpaar in einem WohLwagen auf dem Platz. Als Vermittlerin zwischen den noch fahrenden Minderheiten (ca. 3000 in der Schweiz) und der Schweizer Bevölkerung hat sie immer wieder einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten.
Die EVP Ostermundigen bedankt sich herzlich bei Carmen und Denise für die kraftvollen Lebensberichte und wünscht den beiden Frauen Gelingen und schöne Erfahrungen und Begegnungen.
Gemeinsam und mit einer Portion Offenheit dem Nächsten gegenüber ist mehr möglich, als wir denken! Auf ein starkes, mutiges und hoffnungsvolles 2025!
Vorstand EVP Ostermundigen